Köstlichkeiten von Schorsch
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claus aller: Da ich annehme, dass vor und während der 2ten Türkenbelagerung hinter die Stadtmauern verbrachte Schätze dort vergraben wurden, würde es mich interessieren, ob man dort in den Kellern der Häuser Schreyvogelgasse 4.6.und 8. danach erfolgreich graben könnte ?
claus aller: Das unterirdische Wien Von Alexander Glück So hatte am 1. Dezember 1861 der Schneidergeselle Raimund Lewisch seine Freundin Anna Gangisch ermordet. Er hatte ihr versprochen, sie zu heiraten, lernte jedoch ein anderes Mädchen kennen und wollte nun seine Freundin, derer er überdrüssig geworden war, loswerden. Skrupellos ermordete er sie, zerteilte sie daraufhin und warf die Leichenteile in den Hauskanal der Mölkerbastei. Der skrupellose Mörder ging anschließend in gespielter Sorge selbst zur Polizei, um eine Abgängigkeitsanzeige aufzugeben. Er teilte dem Kommissar mit, dass er mit seiner Freundin noch in einem Gasthaus gewesen sei. Schon wollte man Lewisch entlassen, als die Leiche der Frau gefunden wurde. Der angeschwemmte Rumpf der Ermordeten wurde im Donaukanal in der Höhe des Kettensteges gefunden, wo sich heute die Salztorbrücke befindet. Anhand der Übereinstimmung des Mageninhaltes musste Lewisch zugeben, dass es sich bei der Leiche wohl um seine ehemalige Freundin handelte. Dass er ihr Mörder war, verschwieg Lewisch. Beim Abführen nach dem Verhör im Landesgericht erkannte er die Ausweglosigkeit seiner Situation und stürzte sich über das Geländer des Stiegenhauses. Als Schwerverletzter im Spital wurde er geständig. Noch bevor er verurteilt werden konnte, erlag er kurz darauf den Verletzungen, die er sich bei dem Selbstmordversuch zugezogen hatte. Der Mörder, der sich seiner Sache einst so sicher war, hatte nicht damit gerechnet, dass der Hauskanal direkt an jener Stelle mündete, wo man die Leiche entdeckt hatte. In seiner Schneiderwerkstatt fand man später ein Strumpfband der Ermordeten.
claus Aller: Die Anekdote mit Erwähnung von Chanel No5 ist eine Erfindung von mir... im Nachkriegs-Wien hätte man kaum das Geld gehabt, tankwagenweise so ein teures Parfum dazu zu verwenden.Wahrscheinlich war es ein anderes stinkendes Detergent.Die ganze Geschichte stammt noch aus der Zeit meiner Kanal fackel-Touren für www.unterwelt.at
CLAUS ALLER: Das Schöne und Besondere an Wien ist ja großteils das leider immer mehr verschwindende ALTE, MORBIDE, VERFALLENDE... das der Stadt jahrzehtelang sein Flair und eine illusionistische Atmosphäre gab... die eine spezifische Romantik generierte, die speziell für Foto- und Filmschaffende wie mich, lohnenswerte Motive zur Aufspürsuche bereithielt...
Im Gegensatz zu Kopenhagen, in der schwarz und weiß sehr klar voneinander sich abgrenzen, begegne ich in Wien Grauzonen allüberall.
Warum hält sich das Klischeebild des Dritten Mannes und Wien so gut im Kopf, fast als würden sie zusammengehören? Das Düster/Spannende, die Nebelschwaden, Film Noir, die Trümmer der Stadt.
Franky sagt: Die Nachkriegszeit war ja eigentlich eine Hoch-Zeit für Wien. Im Zwielichtigen des Kalten Krieges, eine halb verfallene Stadt, in der man viel aufbauen, aber sich auch immer noch viel aneignen konnte, wenn man das nicht schon während des Krieges gemacht hatte. Geschäfte machen, als ob es kein Morgen gäbe.
Als der Dritte Mann in Wien gedreht wurde, war Orson Wells so angewidert vom Gestank des Kanals, dass er verlangte die Kanalwände am Drehort abzuwaschen und mit Chanel No5 einzusprühen. Ergebnis war, dass der Chanelgeruch zusammen mit dem Fäkalgestank so unerträglich war, dass einige Tage gar nicht mehr gedreht werden konnte.
Bei meinem letzten Kanalbesuch, vor einer Woche, versuchte ich mir eine Vorstellung davon zu machen.
05.09.2009, 14:53
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