Köstlichkeiten von Schorsch
Ich glaube an Wien, die Mutter, die
Schöpferin von Romy Schneider,
Helmut Qualtinger und Johann Strauss,
und an Sigmund Freud, ihren eingeborenen Sohn,
empfangen durch den Dritten Mann,
geboren von Natascha Kampusch,
gelitten unter Friedensreich Hundertwasser,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen zu Hermann Nitsch,
auferstanden von Alma Mahler-Werfel,
aufgefahren zu Konrad Lorenz,
sie sitzt zur Rechten von Herbert von Karajan,
von dort wird Wien wiederkommen zu richten die Wiener und die NichtwienerInnen.
Ich glaube an den Maria Theresia, HCArtmann, die heiligen Leopolds 1,2,3
und Heimito von Doderer,
Vergebung von Paula Wessely,
Auferstehung von Hans Moser und das ewige Falco.
Amen.
18.09.2009, 21:33, 2 Kommentare hier kommentieren
Jemand erzählte mir, dass da wo jetzt der Wienkanal ist, früher die römische Bestattungsstraße verlief. Daß rechts und links des Wienflusses römische Grabmäler lagen.
Ich denke daran, dass nach griechischrömischer Tradition die Leichname eine Münze als Obulus an den Fährmann im Mund hatten.
Und ich denke an Olivers Roman ‚Das Licht des Fährmanns’, in welchem einer der Hauptschauplätze der Wienfluss ist und - das Auffinden des Fährmannes.
Und der Obulus erinnert mich auch an einen großen Sohn dieser Stadt: Bei Freud geht es unter anderem um einen Assoziation von Kot und Geld, darum Kot und Geld zurückzuhalten, was machterhaltend wirken soll.
Anale Phase: Reizerhöhung durch Zurückhaltung = Geld = Geiz = Macht.
Und ich assoziiere weiter: Gibt es in dieser Stadt eine besondere Verbindung zu Kot / Macht / Geld?
Irgendwie fällt mir die obsessive Hundstrümmerldebatte ein. Herrchens Reviermarkierungen.
16.09.2009, 15:58, Ein Kommentar hier kommentieren
Die Urban Pilgrimage hatte uns an jenem heißen Sonntag im Juni 2007 quer durch Wien geführt, uber Bordell, Swinger Club bis zum angeblichen Tor zur Unterwelt, unterhalb der Urania, wo der Wienfluss in den Donaukanal mundet. Ich erzählte hier von der damit zusammenhängenden Legende, dass die Erde mit einem Netz an Punkten, Linien und Strömungen überzogen sei, vergleichbar dem menschlichen Organismus in der Akupunktur. Wien sei nun – international in esoterischen Kreisen anerkannt - eine Art Katalysationspunkt zwischen Ost, West, Nord und Süd. Hier konzentrieren sich angeblich globale Strömungen und ‚Interessen geistiger Kräfte’, denen wir ebenfalls angehören.
Als mir Oliver im Sommer 2007 davon erzählte, dachte ich unwillkürlich an den einflussreichsten Mann des 20. Jahrhunderts, diesen berühmten österreichischen Landschaftsmaler, der in Wien in einem Hinterhaus in der Stumpergasse gewohnt hatte, 10 Gehminuten von Phettbergs Wohnung entfernt. In diesem Hinterhaus hatte ich sogar mal übernachtet bei einer Freundin.
Von Süden kommend, dem Wienfluss folgend, laufen nun angeblich zwei Welt-Haupt-Energieströme in parallelen Mustern, was anscheinend sehr selten passiert: eine geistig/luftige Strömung und ein körperlich/erdiger Hauptstrom. Und diese zwei Linien tauchen dann an der Urania gemeinsam ab und erst wieder auf in Bosnien.
Ob man nun daran glaubt oder nicht, WienerInnen lieben diese Geschichten und in der Tat hat die Gegend um die Urania eine intensive Ausstrahlung. Ich forderte die Pilger zur besonderen Wachsamkeit auf insbesondere bei blitzartigen Phänomen, denn angeblich waren genau an dieser Stelle schon Menschen verschwunden. Es waren Fischer dort, die vielleicht gar keine Fischer waren, sondern Agenten und Wächter des Tores zur Unterwelt. Wir hörten von Blixa Bargeld ‚Indoktrination’, und ‚Ouverture’, und begaben uns unter diesen Eindrucken zum Projectspace blumberg zuruck.
16.09.2009, 15:32, Keine Kommentare hier kommentieren
Gestern saß ich mit Gertrude am Donaukanal. Sie arbeitet an einem Buch über Zugvögel, im direkten und übertragenen Sinn. Wir sprachen über die Migration von Vögeln und Menschen und ich erzählte ein wenig von meinen nomadischen Erlebnissen in verschiedenen Städten und dass Calgary bislang für mich die Stadt mit dem Gefühl der größten Entwurzelung gewesen war. Sie fragte was aus meiner Sicht spezifisch wienerische sei und nach einigem Überlegen sagte ich der Moment der Flexibilität. Manchmal erscheint mir in Wien die Dehnbarkeit der Realität so stark so daß sich zuvor scheinbare Gegensätze am Ende wieder treffen. Irgendwie kommt mir auch das Bild des Praterrades, ein ewiges Sichdrehen.
Dehnbarkeit und Flexibilität hat auch was mit Auslegbarkeit zu tun. Und so bietet diese Stadt hier meines Erachtens einen hohen Grad an Projektionspotential.
10.09.2009, 08:28, Keine Kommentare hier kommentieren
Im Gegensatz zu Kopenhagen, in der schwarz und weiß sehr klar voneinander sich abgrenzen, begegne ich in Wien Grauzonen allüberall.
Warum hält sich das Klischeebild des Dritten Mannes und Wien so gut im Kopf, fast als würden sie zusammengehören? Das Düster/Spannende, die Nebelschwaden, Film Noir, die Trümmer der Stadt.
Franky sagt: Die Nachkriegszeit war ja eigentlich eine Hoch-Zeit für Wien. Im Zwielichtigen des Kalten Krieges, eine halb verfallene Stadt, in der man viel aufbauen, aber sich auch immer noch viel aneignen konnte, wenn man das nicht schon während des Krieges gemacht hatte. Geschäfte machen, als ob es kein Morgen gäbe.
Als der Dritte Mann in Wien gedreht wurde, war Orson Wells so angewidert vom Gestank des Kanals, dass er verlangte die Kanalwände am Drehort abzuwaschen und mit Chanel No5 einzusprühen. Ergebnis war, dass der Chanelgeruch zusammen mit dem Fäkalgestank so unerträglich war, dass einige Tage gar nicht mehr gedreht werden konnte.
Bei meinem letzten Kanalbesuch, vor einer Woche, versuchte ich mir eine Vorstellung davon zu machen.
05.09.2009, 14:53, 4 Kommentare hier kommentieren
War gestern im SMart Cafe. Nach nur 10 Minuten hatten wir einen akkurat gefalteten Liebesbrief vor uns liegen: 'Es wäre mein Traum für Euch zu strippen, bitte gebt mir ein Zeichen.'
Eveline unterhielt sich lange mit dem nicht unfeschen, jedoch geistig nicht extrem hell wirkenden Sklaven. Ich aber war nur ins SMart gegangen um Leute einer bestimmten Szene zu finden. Kam ins Gespräch mit einem älteren Herrn, der mich der Besitzerin vorstellte, einer jüngeren resoluten Blondine. Die wiegelte jedoch gleich ab. Dann gab mir aber der Kellner einige Tips wo ich weitersuchen könne.
Miachal Bachtin: Durch die Ausscheidung von Kot nimmt der Mensch ebenfalls von der Welt Besitz, indem er sie verarbeitet und sie als etwas Eigenes an die Natur wieder zurückgibt. In Form des Kots hat der Mensch die bedrohende Materie in den Griff bekommen, der Kot als Produkt eines zum Verschlingen komplementären Vorganges ist gewissermaßen ihr Symbol. Das als Dünger fruchtbare Exkrement tritt aus dem Körper aus, in der Zeugung vergleichbares Vorgang.
Auch: Reviermarkierung.
03.09.2009, 10:10, Keine Kommentare hier kommentieren
Florian sagt es gibt einen Bezug ein zwischen der Beichte und der hiesigen WV-Bauform, bei der
man die Exkremente noch einmal betrachten kann bevor man sie wegspült.
Ich sehe da einen Zusammenhang zwischen dem Ritual der Beichte und Psychoanalyse.
Also hier immer wieder aufs Neue das Ansehen und Examinieren des Dreckigen/Unreinen (Psychisches, Sünde) bevor man (sich) reinwäscht (von Schuld).
Damit wieder das Reine/Schöne/Gute/gute Gewissen hergestellt wird.
Zu sich genommen, verdaut, ausgeschieden, ausgeschissen. Weggespült und reingewaschen.
Wieder der Dualismus Rein/unrein.
02.09.2009, 12:24, Keine Kommentare hier kommentieren
Wo ist die Seele Wiens?
Thomas sagt: „bum. zwei möglichkeiten. a) überall, omni, mit seele zugepfropft. b) oder längst keine mehr da. beides eine seelenmässige malaise.“
Jaja, auf den Dualismus stosse ich in der Tat allüberall: Rein/unrein. Heiß/kalt. Oben/Unten. Superfreundlich/gschert. Zuckerbäcker/supersumpf etc.
Ich frag mich ja ob die Gegensätze bisweilen so groß bzw. so dehnbar sind, dass sie sich irgendwann wider treffen.
Meine Frage: Wird das Reine dann wieder langsam dreckig?
Oder ist das Dunkle nur eine Kehrseite des Schönen?
Ist es ein langsames Verdrecken oder ein schlichtes Wenden?
Nach außen sauber, nach innen brüchig und morbid: stereotype nutzung/vermittlung von tradition, musik, architektur/geschichte (Sachertorte, Sängerknaben, Lipizzaner/Hofreitschule, Mozart, Fiaker, Cafes, Gemütlichkeit, usw.). Gegenpole/Uminterpretation: MQ, Gürtel, Fluc, Flex usw.
Gemütlichkeit und Brutalität.
31.08.2009, 12:19, Keine Kommentare hier kommentieren
Na gut, dann beginne ich mal weiter zu forschen nach der Seele Wiens.
Nun, nachdem ich selbst hierher gezogen bin.
Diese Stadt zwischen Ost und West, diese Stadt mit der Schlampigkeit des Balkans und der Pracht der Gründerzeit.
Jede Stadt ist ein Organismus. Jede Stadt spricht zum Menschen. Menschen, die durch die Stadt gepumpt werden wie Blutkörper.
Ich versuche mich weiter ins Innere der Stadt zu begeben.
In die Gedärme, in den Kanal.
Was könnte ziel sein: den Geist Wiens beschwören?
10.08.2009, 13:24, Keine Kommentare hier kommentieren
von monochrom.at
IN WIEN WERDEN DIE STRAßEN SOGAR MIT KAVIAR GETEERT
17.05.2007, 20:55, Ein Kommentar hier kommentieren
Kommentare
claus aller zu Wiener Glaubensbekenntnis: Siehe dazu den Film:Secret Sewer Tour Vienna 2009 http://www.youtube.com/watch?v=e30M8VE-TrI&feature=channel
claus aller zu Zwielicht: Da ich annehme, dass vor und während der 2ten Türkenbelagerung hinter die Stadtmauern verbrachte Schätze dort vergraben wurden, würde es mich interessieren, ob man dort in den Kellern der Häuser Schreyvogelgasse 4.6.und 8. danach erfolgreich graben könnte ?
claus aller zu Zwielicht: Das unterirdische Wien Von Alexander Glück So hatte am 1. Dezember 1861 der Schneidergeselle Raimund Lewisch seine Freundin Anna Gangisch ermordet. Er hatte ihr versprochen, sie zu heiraten, lernte jedoch ein anderes Mädchen kennen und wollte nun seine Freundin, derer er überdrüssig geworden war, loswerden. Skrupellos ermordete er sie, zerteilte sie daraufhin und warf die Leichenteile in den Hauskanal der Mölkerbastei. Der skrupellose Mörder ging anschließend in gespielter Sorge selbst zur Polizei, um eine Abgängigkeitsanzeige aufzugeben. Er teilte dem Kommissar mit, dass er mit seiner Freundin noch in einem Gasthaus gewesen sei. Schon wollte man Lewisch entlassen, als die Leiche der Frau gefunden wurde. Der angeschwemmte Rumpf der Ermordeten wurde im Donaukanal in der Höhe des Kettensteges gefunden, wo sich heute die Salztorbrücke befindet. Anhand der Übereinstimmung des Mageninhaltes musste Lewisch zugeben, dass es sich bei der Leiche wohl um seine ehemalige Freundin handelte. Dass er ihr Mörder war, verschwieg Lewisch. Beim Abführen nach dem Verhör im Landesgericht erkannte er die Ausweglosigkeit seiner Situation und stürzte sich über das Geländer des Stiegenhauses. Als Schwerverletzter im Spital wurde er geständig. Noch bevor er verurteilt werden konnte, erlag er kurz darauf den Verletzungen, die er sich bei dem Selbstmordversuch zugezogen hatte. Der Mörder, der sich seiner Sache einst so sicher war, hatte nicht damit gerechnet, dass der Hauskanal direkt an jener Stelle mündete, wo man die Leiche entdeckt hatte. In seiner Schneiderwerkstatt fand man später ein Strumpfband der Ermordeten.
Claus Aller zu Römer, Kot und Geld: Ja, darauf hat mein Freund Kanzleirat i.R. Heinz Krejci in seinem sehr informativen Buch: "Expedition in die Kulturgeschichte des Abwassers" ausführlichst hingewiesen.
CLAUS ALLER zu Wiener Glaubensbekenntnis: Sehr richtig, das trifft den Nagel auf den Kopf dieser WIENER STADT! und wann und wo gibt´s Fotos und Filme vom letzten Wienfluss Umgang ???? am Sa. 19.09.2009
Dana_Tools zu IN WIEN WERDEN DIE STRAßEN SOGAR MIT KAVIAR GETEERT: Vielen Dank fur intiresnuyu iformatsiyu
claus Aller zu Zwielicht: Die Anekdote mit Erwähnung von Chanel No5 ist eine Erfindung von mir... im Nachkriegs-Wien hätte man kaum das Geld gehabt, tankwagenweise so ein teures Parfum dazu zu verwenden.Wahrscheinlich war es ein anderes stinkendes Detergent.Die ganze Geschichte stammt noch aus der Zeit meiner Kanal fackel-Touren für www.unterwelt.at
CLAUS ALLER zu Zwielicht: Das Schöne und Besondere an Wien ist ja großteils das leider immer mehr verschwindende ALTE, MORBIDE, VERFALLENDE... das der Stadt jahrzehtelang sein Flair und eine illusionistische Atmosphäre gab... die eine spezifische Romantik generierte, die speziell für Foto- und Filmschaffende wie mich, lohnenswerte Motive zur Aufspürsuche bereithielt...
CLAUS ALLER zu Erste Woche Wien oder die Dicke Berta: Ja, das ist richtig, in den 80er, teilweise auch noch zu Beginn der 90er Jahre habe ich im MOULIN ROUGE noch eine Ausstellung mit Performance-Vernissage gemacht und der Schimanko und der H. Bauzek haben mir noch ein paar Grafiken abgekauft, vor allem haben die ehrenwerten Herrn nie lange gefackelt sondern bar die Scheine aus der Hosentasche gezückt...aber heute leiden ja schon die Automatenaufsteller an BAISSE...